Chen-Stil

Im Chen-Stil gibt es zwei Haupt-Stile, die beide auf eine Überlieferungen des ursprünglichen Taijiquan von Chian Fa mit dem traditionellen Chen-Famiilien Pao Chui zurückgehen. Diese alte Chen-Stil-Form ("Paochui" oder Kanonenfaust) ist heute sehr bekannt und wird üblicherweise schnell ausgeführt. Sie enthält zahlreiche explusive Bewegungen die im Gegensatz zu der ruhigeren, ersten Form des Chen-Stil Taijiquan steht. Neuere Forschungen gehen davon aus, daß Pao Chui nicht Taijiquan zurückgeht, sondern auf die Tradition des Shaolin Tempels.

Der "Alte Rahmen" des Chen-Stils, geht auf Chen Chian Hsin zurück. Er unterrichtete Yang Lu-Chan, aber der berühmteste Vertreter dieser Schule ist Chen Fa Ke (1887-1957). Der "Neue Rahmen" geht auf Chen You Heng, einen anderen Schüler des Chian Fa zurück.

Der alte und neu Rahmens des Chen-Stils ähneln sich stark wie auch dem Zhao-Bao-Stil. Andererseits weist er große Unterschiede zu anderen Tai-Chi-Stilen auf. Offenbar basiert er nicht auf den klassischen "Dreizehn Stellungen", die dem Yang-Stil und dem Wu-Stil zugrundeliegen.


Yang-Stil

Der bekannteste und am weitesten verbreitete Taijiquan-Stil ist das Yang Tai Chi Chuan.

Dieser Taijiquan Stil geht auf Yang Lu Chan 1799-1872 zurück. Über seine Geschichte gibt es verschiedene Versionen.
Yang lernte Taijiquan (Taiji, Tai Chi Chuan) von Chen Chian Hsing und kehrte nach seiner Ausbildung in seine Heimat Yongnian zurück, um dort Kampfkunst zu unterrichten. Später gründete er eine Schule in Peking und unterrichete am kaiserlichen Hof, wo er den Beinamen "Yang, der Unbesiegbare" bekam.
Nach Yang Lu Chan Tod führten Söhne Yang Pan Hou (1837-1892) und Yang Chien Hou (1842-1917) die Tradition der Yang-Familie weiter.

Das Yang-Stil Taijiquan ist anmutig, entspannt, sanft, fließend,sorgfältig strukturiert und, bei einigen Vertretern, weit ausladend. Es hat zwar seine Kampfkunst-Intention beibehalten ist aber heutzutage für die meisten Menschen eine Methode zur Verbesserung der Gesundheit, zur Heilung von Krankheiten und zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter.



Die Lange Form des Yang-Stils ( es gibt auch kurze Taijiquan Formen) besteht aus 108 Bewegungen (48 Bilder). Diese Bewegungsbilder beruhen auf Prinzipien der Kampfkunst und dienen der Entwicklung von Balance, Zentrierung, Fülle-Leere, Ausrichtung der Haltung, achtsame Bewegung, Verwurzelung der Beine und Füße, Beweglichkeit der Hüfte, Bezug auf das "Tantien", das Energiezentrum im Unterbauch, Rhythmus, weiche, fließende Bewegung und innere Ruhe.
Im Laufe der Zeit haben sich, vorallem im Yang-Stil, sehr viele Varianten gebildet, die zum Teil erheblich voneinander abweichen, dennoch alle als Yang-Stil bezeichnet werden, da sie auf die Yang-Familie zurückgehen.


Wu-Stil

Der Wu Stil des Taijiquan ( Tai Chi Chuan ) geht auf einen Schüler von Yang Lu Chan und seinem Sohn Yang Pan Hou zurück: den Manchu Wu Quan Yu. Wu Quan Yu war im Kaiserpalast in Peking als Wächter beschäftigt und hat viel zur Wertschätzung und Popularität des Taiji beigetragen und heutzutage wird der Wu-Stil an Bekanntheit nur von der des Yang-Stils übertroffen. Es gab enge Kontakte zwischen den Familien Wu und Yang. So übten z. B. wu Jian Quan und Yang Cheng Fu zusammen Push-Hands (Tui Shou) und man hatte damals auch gar nicht unterschieden zwischen Yang-Stil und Wu-Stil

Im Wu-Stil Taijiquan werden die Bewegungen kleiner ausgeführt als im Yang-Stil - angeblich wegen der engen Kleidung am Hof. Die Kampf-Aspekte und Bewegungen der Anwendung wurden offenbar modifiziert und der Situation angepaßt.

Qu Quan Yu (der Begründer des Wu Taijiquan) hatte viele Schüler, darunter sein Sohn Wu Jian Quan. Dieser gab sein Wissen über sein Taiji an seinen Sohn wu Kong Yi und an seinen Schüler Ma Jian Bao und Cheng Wing Kwong weiter. Viele heutige Meister des Wu-Stil-Taiji beziehen sich auf diese.


Sun Stil

Das Sun Stil Taijiquan kombiniert Elemente aus den inneren Kampfkünsten Baguazhang und Xingyiquan mit klassischem Taijiquan und wurde im frühen 19. Jahrhundert durch Sun Lutang (1861-1932), welcher zu diesem Zeitpunkt schon ein bedeutender Meister im Xingyiquan und Baguazhang war entwickelt und ist der jüngste der großen Familienstile des Taijiquan.


Sun Lutang lernte im Alter von ca. 50 Jahren von Meister Hao Weizhen den Hao Stil des Taijiquan. Auf dieser Basis und seinen Kenntnissen des Xing Yi Chuan und Bagua Chuan hat er später seinen eigenen Taijiquan Stil entwickelt.


Der Sun Stil gliedert sich heute in zwei Linien, welche sich nur geringfügig unterscheiden. Eine Linie geht auf Sun Lutangs Sohn Sun Cunzhou zurück und die Andere auf Sun Lutangs Tochter Sun Jianjun.


Das Sun Taijiquan gehört zu den Taijiquan Richtungen des "kleinen Rahmens" und besteht aus 98 Bewegungsfolgen. Es zeichnet sich durch seine aufrechte Haltung und seine flinke Beinarbeit aus. Der typische Folgeschritt (sobald ein Fuss vor oder zurück geht, folgt der andere Fuss augenblicklich) wurde aus dem Xing Yi und dem Hao Taijiquan übernommen und an das Sun Taijiquan angepasst. Aus dem Baguazhang stammen einige der Wendungen. Da bei so gut wie allen "Positionen" das Gewicht fast vollständig auf einem Bein ist, ergibt sich in den Beinen eine vollkommene Trennung von voll und leer.


Wudang-Stil

Die Taijiquan (Tai Chi Chuan) Variante des Wudanggebirges hat wenig Ähnlichkeiten mit den anderen bekannteren Taiji Quan Richtungen. Die Taijiquan Variante aus den daoistischen Klöstern der Wudang-Berge geht der Sage nach auf den legendären taoistischen Mönchs Zhang Sanfeng zurück. Dieser hat im 13. Jahrhundert gelebt und gilt als legendärer Begründer der "inneren Schule" der Kampfkunst, die nicht auf Härte, Schnelligkeit und Muskelkraft, sondern auf Weichheit, Geschmeidigkeit und dem Einsatz des Qi basiert. Er hat der Sage nach die ersten 13 Bewegungen geprägt, die man als Taijiquan bezeichnet. Sein Vorbild war anscheinend der Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich, die in ihrer unterschiedlichen Kampfesweise Yin und Yang repäsentieren.

Im modernen Wushu werden alle Kampfkünste in entweder buddhistisch geprägtes Shaolin oder taoistisch geprägtes Wudang unterteilt. Daher nennt man alle Taiji Quan Richtungen "Wudang".